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Sonntag, 4. Oktober 2026

Nach der Sonne schauen von Martina Hefter

Foto: @Tanja Rothert


Nach der Sonne schauen

von Martina Hefter (AutorIn)

Klett-Cotta Verlag               256 Seiten            ET: 17.10.2026      

 

Verlagsinfo Klett-Cotta:

Auf der Suche nach Schönheit in der Welt: Der neue Roman von Martina Hefter

Mit präziser Leichtigkeit und schlichter Eleganz erzählt Martina Hefter von einer Frau, die in einer ehemaligen Tagebaulandschaft eine neue Zukunft findet. Sie erzählt von der Notwendigkeit, sich gegen die Zudringlichkeiten der Gegenwart zur Wehr zu setzen, sie erzählt von inneren Kämpfen und jenen Momenten, die uns aneinander binden – oder voneinander lösen.

Die Installationskünstlerin Iona Bartschok zieht sich den Sommer über ins Leipziger Umland zurück. Die Landschaft hier besitzt eine eigensinnige Lebendigkeit: eine ehemalige Tagebau-Region, künstlich geflutet, von Abraumhalden und einem immerwährenden Wind geprägt. Iona will in dieser Umgebung an einem neuen Projekt arbeiten. Aber sie sucht auch Abstand, nachdem ein Maler öffentlich eines ihrer wichtigsten Kunstwerke, ein Baumhaus, mit dem Wort "Bullshit" besprüht und beschädigt hat. Sie bezieht eine umgebaute Industriehalle, deckt sich mit Lebensmitteln ein, wird nur von einem Bildschirmhund begleitet, den ihr Vermieter an der Wand installiert hat. Doch dann läuft ihr Bella zu, eine Hündin aus Fleisch und Blut, die ihr nicht mehr von der Seite weicht. Eines Tages steht eine weitere Fremde vor der Tür: Nova, die kämpferische Nichte des Vermieters. Und während draußen der Wind zunimmt, der Regen die Straßen flutet, drängt sich mit aller Macht das Leben zurück in die Halle.
(unbezahlte Werbung, Coverrechte Verlag")

 
Meine Meinung (Tanja):

 

„Lesenswert“

 

Ich kann nicht sagen, was mich zuerst angesprochen hat, das besondere Cover oder dass das Setting eines ehemaliges Tagebaugebietes. Die Leseprobe bei Vorablesen hat mich dann überzeugt, die Geschichte hat was Interessantes.

Es ist mein erstes Buch der Autorin und der Schreibstil liest sich für mich leicht und flüssig. Die Installationskünstlerin Iona Bartschok nimmt sich meiner Meinung nach eine Auszeit vom Alltag und einem VORFALL, bei dem ihre Diplomarbeit von einem anderen Künstler beschmutzt wurde. Auf der einen Seite möchte sie sich nicht mit der Tat auseinandersetzen, auf der anderen Seite jedoch beschäftigt sie diese doch sehr. 

Ich fand es mutig von ihr, sich in eine umgebaute Lagerhalle, abseits vom städtischen Geschehen am Rande eines Energieparks zurückzuziehen. Ruhig, einsam, aber idyllisch gelegen. Im krassen Gegensatz dazu steht ihr Mitbewohner, ein KI-generierter Hund einer Smartphone-App. Ich konnte mir nicht vorstellen, mit Robyn, diesem UNECHTEN Hund zu interagieren. Zu meiner Freude gesellte sich bald Bella, eine streunende Hündin zu Iona. Es gefiel mir gut, wie schnell die beiden zusammenwuchsen. Bald war zu merken, dass Iona von ihrem eigentlichen Installationsvorhaben, ein Modell DER LANDSCHAFT IN 5000 JAHREN zu entwerfen, immer mehr abkam. Nah im Zusammenspiel mit der Natur wurde ihr klar, wie sehr sich die Umwelt verändert hatte und sich weiter verändern würde. Dass die Erde samt Tier- und Pflanzenwelt, wie wir sie kennen, irgendwann nicht mehr existieren wird. 

Nach einiger Zeit lernt sie Nova, die junge Nichte ihres Vermieters kennen. Aus einem nur vorübergehend geplanten Besuch, wird ein längerer Aufenthalt und eine ganz besondere Gemeinschaft. Mit noch nicht einmal 18 Jahren hat Nova eine sehr interessante Sicht auf das Leben und die Umwelt. In Rückblenden gehe ich als Leserin immer wieder zurück in die Kindheit und Jugend von Iona, die als Tochter von Kuhhirten ihr Leben teilweise oben auf einer Alm an der französischen Grenze verbrachte. Sie erinnert sich an ihr Leben und die damaligen Naturkatastrophen durch Schnee, Lawinen und herabstürzendes Schmelzwasser. Dann das Ausbleiben des Schnees und die Folgen von Tschernobyl.

Materina Hefter hat mich mit der ruhigen und unaufgeregten Geschichte fesseln können. Die Atmosphäre hatte ansatzweise einen dystopischen Hauch, dennoch habe ich die Geschichte als positiv und wertvoll wahrgenommen. Vielen Dank dafür.

 

Mein Fazit:

Ein kleines und feines Buch, dass obwohl es abseits meiner Komfortzone lag, gut gefallen hat. Mit wenigen Charakteren und einem überschaubaren Setting ist der Autorin eine wertvolle Geschichte gelungen.

Martina Hefter

Martina Hefter ist Schriftstellerin und arbeitet auf dem Gebiet der Performance. Sie lebt in Leipzig, wo sie am Deutschen Literaturinstitut studierte. Ihr Roman »Hey guten Morgen, wie geht es dir?« wurde 2024 mit dem Deutschen Buchpreis sowie dem europäischen Prix Grand Continent ausgezeichnet und war ein SPIEGEL-Bestseller. Für ihre schriftstellerische Arbeit erhielt Martina Hefter den Großen Preis des Deutschen Literaturfonds und den Wiesbadener Literaturpreis. Zuletzt erschienen von ihr die Gedichtbände »Es könnte auch schön werden« und »In die Wälder gehen, Holz für ein Bett klauen«.


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