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| Foto @Gisela Simak |
Unbezahlte Werbung. Coverrechte: Bastei Lübbe Verlag.
Verlagsinfo: Roman. »Jasmin Schreiber erzählt präzise und tief bewegend von einem Femizid und seinem Nachhall.« WOMAN
Ein Roman über das Echo von Gewalt, über strukturelles Versagen - und darüber, wie eine Gemeinschaft ins Wanken gerät, wenn ein Femizid alles erschüttert. Erzählt aus mehreren Perspektiven entfaltet sich das Panorama einer Familie im Ausnahmezustand und einer Gesellschaft, die dem strukturellen Kern der Gewalt noch immer ausweicht.
Die neunjährige Maja wächst in einer zerrütteten Familie auf - ein tyrannischer Vater, eine liebevolle, aber unterdrückte Mutter, dazwischen viel Schweigen und Dinge, die ihr keiner erklärt. Als Frank, Majas Vater, ihre Mutter tötet, reißt er ein Loch in die Welt - für Maja, aber auch für alle anderen, die zurückbleiben.
Von einem Moment auf den anderen ist nichts mehr, wie es war: Zwischen Trauer, Sorgerechtsstreit und Bürokratie wird Maja zum Spielball und verliert inmitten von Anträgen und Zuständigkeiten ihre Familie, ihr Zuhause, das Gefühl von Sicherheit und die Gewissheit, zu wem sie gehört.
Ihre Patentante Liv wird Majas einziger Lichtblick: Liv arbeitet als Astrophysikerin und begeistert Maja für die Wunder des Universums. Gleichzeitig ringt sie mit eigenen Unsicherheiten, alten Ängsten und der Überforderung, plötzlich Verantwortung übernehmen zu müssen. Und doch wachsen Liv und Maja zusammen: beim Blick durchs Teleskop und beim Versuch, im endlosen Weltraum Antworten zu finden, die ihnen niemand sonst geben kann.
Ein wichtiges Thema, in eine berührende Geschichte verpackt.
Es geht um die neunjährige Maja, die für ihre tote Mutter den Rettungsdienst anruft. Sie kann die Tatsache, dass ihre Mutter nicht mehr lebt, nicht verarbeiten und wartet auf Hilfe. Noch weniger kann sie später verarbeiten, dass ihr Vater die Mutter umgebracht hat. Der Vater, der immer liebevoll und großzügig ist, und die Mutter ständig auf ihre Fehler hingewiesen hatte. Wenn die Mutter ihr etwas verbat, wurde es ihr vom Vater erlaubt. Kann so ein toller Vater wirklich böse sein?
Bei den Großeltern mütterlicherseits lebt sie nun vorläufig. Brigitte und Per bitten die beste Freundin ihrer Tochter und Patentante von Maya, mit ihrer Schäferhündin Chloé bei ihnen zu wohnen. Sie haben bemerkt, wie gut Maya der Umgang mit der Astrophysikerin Liv bekommt und der Hund ihr dabei hilft, die gefährlichen Ranken, die ihr die Luft abschnüren, fernzuhalten.
Jasmin Schreiber hat ein sehr wichtiges Thema aufgegriffen und mit sehr viel Empathie zu Papier gebracht.
Was es mit einem kleinen Mädchen macht, dessen Vater die Mutter umgebracht hat, wird sehr feinfühlig aufgezeigt und ist beim Lesen nicht spurlos an mir vorbeigegangen. Besonders die Rettungsdienstszene ging mir durch und durch.
Per und Brigitte machen sich große Vorwürfe, nicht bemerkt zu haben, in welch auswegsloser Situation ihre Tochter gesteckt hatte.
Liv vermisst ihre beste Freundin und macht sich große Vorwürfe, nicht energischer auf das veränderte Verhalten von ihr reagiert zu haben. Der Umgang mit Maya wirkt unerwartet gut auf ihren Gemütszustand. Sie schaut mit dem Mädchen in den Sternenhimmel und zusammen mit Chloé machen sie herrliche Spaziergänge.
Die Großeltern väterlicherseits bleiben überwiegend im Hintergrund.
Der magische Schreibstil und die Thematik Femizid haben für mich dieses Buch zu einem ganz besonders emotionalen Erlebnis gemacht. Es steckt so viel Kummer, Verzweiflung und dennoch Herzenswärme zwischen den Seiten. Das Leben geht ganz normal weiter, ohne Rücksicht auf das Drama, das sich ereignet hat. Vor allem die Schuldgefühle, die – wie so oft – die falschen Menschen haben, kommen sehr gut zum Ausdruck. Der Mörder selbst findet in der Geschichte wenig Beachtung, was mir total gut gefällt. Der hat schließlich schon genug kaputtgemacht und bei sämtlichen Menschen einen Scherbenhaufen hinterlassen.
"Da, wo ich dich sehen kann" ist nach "Marianengraben" das zweite Buch, mit dem mich die Autorin überzeugen konnte. Bei ihren Geschichten bin ich mit vollem Herzen dabei. In dieser habe ich stellenweise sehr viel Wut empfunden, da ich aktuell eine Frau kenne, die in Gefahr schwebt. Am Ende des Buches gibt es viele Adressen und Telefonnummern für betroffene Frauen. Die Spalte für Männerhilfe fällt vergleichsweise gering aus. Was sagt uns das? Es besteht noch viel Handlungsbedarf. Wir Frauen kommen schließlich nicht auf die Welt, um von Männern misshandelt und getötet zu werden. Wenn ich so lese und mitbekomme, was mit vielen Frauen passiert, bin ich wieder einmal sehr dankbar um meinen Ehemann.
Eine klare Empfehlung. Danke, Jasmin Schreiber.
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| @Jasmin Schreiber |


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