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Meine Meinung
Ich habe jedes Wort genossen.
Eben habe ich einen Roman beendet, der viele Themen und wunderbare Protagonisten beinhaltet. Die Geschichte erzählt von schwierigen familiären Verhältnissen und den daraus resultierenden seelischen sowie körperlichen Verletzungen. Sie erzählt von Menschen, die sich auf magische Weise kennenlernen. Sie erzählt vom Klimawandel und den bedrohten Arbeitsplatz der Fährfrau.
Sara Harmsen verdient sich ihren Lebensunterhalt in dem kleinen Dorf Erlengrund, indem sie die Bewohner mit der Fähre zu den anderen Orten bringt. Ihr Arbeitsplatz ist nicht mehr sicher, da der Bau einer Brücke die Fähre ersetzen soll.
Sie liebt Bücher und liest in jeder freien Minute. Zu ihren Tieren pflegt sie ein inniges Verhältnis. Die Hündin 🐕 Luna begleitet sie auf Schritt und Tritt und die Hühner lassen sich von ihr streicheln; springen ihr sogar auf den Schoß.
Als der junge Mann Leon mit einer Kopfverletzung auftaucht, gerät ihr geordnetes Leben etwas durcheinander. Auch Leon ist manchmal überfordert. Vor allem, wenn ihm ein Huhn auf den Schoß hüpft, um gestreichelt zu werden, und vielleicht sogar ein Ei legen will. Das in seinem Schoß?!
Aber, ich schweife vom Thema ab! Sara traut Leon anfangs nicht und nimmt ihn nur für eine Nacht auf. Leon möchte nicht gefunden werden und kann Sara überreden, bleiben zu dürfen. Zwei helfende Hände kann die alleinstehende Frau gut gebrauchen. Außerdem streben beide gleiche Ziele an, was die Natur betrifft.
Mir hat es wahnsinnig viel Spaß gemacht, Sara und Leon ein Stück den Fluss entlang zu begleiten und dabei zu entschleunigen. Beide finden am Fluss ein Ventil, um sich ihrer Vergangenheit und ihren seelischen Verletzungen zu stellen.
Wie die Inhaltsangabe bereits verrät, gibt es auch noch eine Naturkatastrophe. Ich möchte nichts mehr verraten und empfehle Euch, ein bisschen Geld in die Hand zu nehmen, um mit der Fähre ins kleine Dorf Erlengrund zu kommen. Vielleicht stärkt ihr bei der Gelegenheit Sara und Leon den Rücken.
Eine klare Empfehlung für diesen atmosphärischen Roman, der mich sprachlich und thematisch überzeugen konnte. Die Figurenzeichnung ist gelungen. Ich hatte beim Lesen stets das Gefühl, vor Ort zu sein und alle Personen gut zu kennen.
Danke, Jochen Marris. Ich habe jedes Wort genossen.
Jochen Mariss, geboren 1955 in Köln, studierte Grafikdesign mit Schwerpunkt Fotografie in Bielefeld und war Mitbegründer des Verlags Grafik Werkstatt. Hier erschienen zahlreiche Gedichte und Fotografien von ihm, u. a. in Form von Foto-Text-Postkarten, und machten seinen Namen im deutschsprachigen Raum bekannt. Diese lyrischen Texte waren der Beginn seiner schriftstellerischen Arbeit, es folgten Kurzgeschichten und Kinderbücher. Heute lebt er als freier Schriftsteller in Bielefeld. »Tage am Fluss« ist sein Romandebüt.


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