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Samstag, 22. August 2026

Wirf einen Schatten von Elena Fischer

 

Foto @Gisela Simak. Coverrechte: Diogenes Verlag. Hintergrund: KI. 



Verlagsinfo zu: Wirf einen Schatten


Joseph ist einsam und hadert mit seinem Schicksal, nicht erst, seit seine Frau Lis mit dem gemeinsamen Sohn in die Stadt gezogen ist, weil sie den Alltag auf dem Hof nicht mehr ausgehalten hat. Wahrlich etwas Besonderes in den Sechzigerjahren auf dem Land. Zum Glück ist da noch Ada, Lis' ältere Schwester, mit der sich Joseph schon immer sehr verbunden fühlt. Und dann steht plötzlich die 20-jährige Birdie vor seiner Tür, geschwächt und auf der Flucht vor ihrer Familie. Lis, Ada und Birdie – sie werden ihrem eigenen, aber auch Josephs Leben eine ganz neue Richtung geben.

Sein Vater hat ihm einiges hinterlassen: das Haus, den Hof, die Tiere – und damit immer genug zu tun. Was er Joseph nicht mitgegeben hat, ist die Fähigkeit zu reden – über Angst, Krieg oder Liebe. So ist auch Joseph zu einem Mann geworden, den seine Verluste wortkarg machten. Gerade als Joseph den Tod als besten Ausweg zu akzeptieren beginnt, klingelt es an der Tür, und Birdie fällt ihm in die Arme und in sein Leben. Während sie sich langsam erholt und anfängt, von ihrer Liebsten und ihren Berufsträumen zu erzählen, stellt sich Joseph Wahrheiten, vor denen er bislang Reißaus genommen hat. Über sich als Bruder und Vater und liebenden Mann.


Meine Meinung 

Eine Geschichte, die die Seele erreicht. 

Vor ein paar Jahren habe ich eine Geschichte gelesen, an die ich mich gerne erinnere. Sie handelt von einer einsamen Bäuerin, die einem jungen Mädchen Obdach gewährt. Das Mädchen hilft ihr dafür bei sämtlichen Arbeiten. 

Nun durfte ich "Wirf einen Schatten" lesen. Die Geschichte ist ähnlich und doch anders. Sie konnte mich genauso begeistern. 

Joseph lebt einsam auf seinem Hof. Seine Frau Lis hat ihn verlassen und den gemeinsamen 4-jährigen Sohn Samuel mitgenommen. Er will seinem Leben ein Ende setzen; wird aber von der 20-jährigen Birdie daran gehindert. Die steht schwer erkrankt vor seiner Tür und braucht dringend Hilfe. Zu ihrer Familie hat sie den Kontakt abgebrochen. Joseph hilft Birdie und rettet ihr damit das Leben. Was Birdie nicht weiß: Sie hat Josephs Leben gerettet. 

Die Autorin konnte mich von Anfang an in das Geschehen hineinziehen. Die Authentizität der Figuren überzeugt und auch die Handlung könnte sich im realen Leben genauso zugetragen haben. Das Setting spiegelt das Leben auf einem Hof wider. Ich habe die Schafe 🐑 blöken gehört und das Muh der Kühe hat mir Landfeeling pur beschert. Joseph pflegt ein sehr inniges Verhältnis zu seinen Tieren. Er bringt jedem Lebewesen – egal ob Tier oder Mensch – Wertschätzung entgegen. 

Joseph ist ein sehr sensibler Mann, der ein schweres Päckchen aus seiner Vergangenheit zu tragen hat. Er kann seinem Sohn die Liebe nicht zeigen, die er für ihn empfindet. Nach der Trennung von Lis kommt eine Entfremdung dazu. Mit dem Bau eines Baumhauses möchte er seinem Sohn ein Stück näherkommen.


Da Samuel sich ein paar Tage zuvor im Wald verlaufen hatte, zeigt er sich verängstigt. Aber genau diese Tragödie hat Vater und Sohn eine tiefe Verbundenheit spüren lassen. 

In den 60er-Jahren war die Trennung von einem Ehepartner ein Skandal. Bei Joseph und Lis hat es aber nicht so dramatisch auf mich gewirkt. Die persönlichen Gefühle waren natürlich schwer verletzt. Aber die Menschen in ihrem Umfeld schienen nicht zu werten. In meiner Erinnerung war das zu dieser Zeit sehr schwer; vor allem für eine Frau, die ihren Mann verlassen hat. 

Der Schreibstil kommt stellenweise poetisch und dann wieder humorvoll daher. 

>>Ihr schlechtes Gewissen Gott und den Eltern gegenüber kam und ging. Es verließ sie im selben Moment, in dem der Sohn des Fleischers seine Hände unter ihre Bluse steckte, und kam in dem Moment zurück, als er sich die Hose zuknöpfte. << Zitat aus dem Buch. Gedanken von Birdie. 

Der Roman erzählt von Menschen, die (wieder) zueinander finden. Von Joseph, der lernen muss, Gefühle zu zeigen und zuzulassen. Der lernen muss, Klartext zu reden. Der verstehen lernen muss, dass das Ende einer Liebe ein neuer Anfang zu einer alten Liebe sein kann. Der unbedingt einen Schatten werfen muss. Ich weiß, ich erzähle in Rätseln. Ich beneide alle, die die Antworten darauf noch nicht bekommen haben. Eine wunderbare Geschichte wartet auf Euch. 

Von mir eine klare Empfehlung. Herzlichen Dank, Elena Fischer. 

Elena Fischer, geboren 1987, hat Komparatistik und Filmwissenschaft in Mainz studiert, wo sie mit ihrer Familie lebt. Ihr Debüt ›Paradise Garden‹ wurde sofort zum Bestseller und 2023 für den Deutschen Buchpreis sowie den Debütpreis des Harbour-Front-Literaturfestivals nominiert. ›Paradise Garden‹ ist bereits in 15 Sprachen übersetzt.

Auszeichnungen
 Paradise Garden ist das Debüt des Jahres des Literaturwerks Rheinland-Pfalz-Saar, 2024
 Paradise Garden für das ›Lieblingsbuch der Unabhängigen‹ nominiert, 2023
 Paradise Garden nominiert für den ›Debütpreis des Harbour Front Literaturfestivals Hamburg‹, 2023

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