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| Foto @Gisela Simak |
Unbezahlte Werbung. Coverrechte: Diogenes Verlag.
Jules und seine beiden Geschwister wachsen behütet auf, bis ihre Eltern bei einem Unfall ums Leben kommen. Als Erwachsene glauben sie, diesen Schicksalsschlag überwunden zu haben. Doch dann holt sie die Vergangenheit wieder ein.
Ein berührender Roman über das Überwinden von Verlust und Einsamkeit und über die Frage, was in einem Menschen unveränderlich ist. Und vor allem: eine große Liebesgeschichte.
Mehr zum Inhalt
Jules und seine Geschwister Marty und Liz sind grundverschieden, doch ein tragisches Ereignis prägt alle drei: Behütet aufgewachsen, haben sie als Kinder ihre Eltern durch einen Unfall verloren. Obwohl sie auf dasselbe Internat kommen, geht jeder seinen eigenen Weg, sie werden sich fremd und verlieren einander aus den Augen. Vor allem der einst so selbstbewusste Jules zieht sich immer mehr in seine Traumwelten zurück. Nur mit der geheimnisvollen Alva schließt er Freundschaft, doch erst Jahre später wird er begreifen, was sie ihm bedeutet – und was sie ihm immer verschwiegen hat. Als Erwachsener begegnet er Alva wieder. Es sieht so aus, als könnten sie die verlorene Zeit zurückgewinnen, doch dann holt sie die Vergangenheit wieder ein.
Mitten aus dem Leben
Im Zuge eines Lesekreises bin ich auf diesen Autor aufmerksam geworden und frage mich, warum ich ihn nicht schon vorher entdeckt habe. Benedict Wells verfügt über einen Schreibstil, der nüchtern und dennoch emotional daher kommt. Er erzählt von dem Verlust der Eltern und den großen Veränderungen, die damit einhergehen.
Eindringlich erzählt Wells, wie die drei wohlbehüteten Kinder, Jules, Liz und Marty, sich ‐ jedes auf seine Weise - in ihrer Trauer verlieren. Sie kommen alle drei in ein Internat und werden sich über Jahre hinweg fremd.
Wir erfahren das Geschehen aus der Sicht von Jules, dem jüngsten der Geschwister. Sehr intensiv beschreibt er seine großen Ängste und grenzenlose Einsamkeit. Er lernt seine große Liebe Ava kennen und lieben, die - wie er - Trauer in sich trägt und Trost in der Literatur findet. Es sollen noch Jahre vergehen, bis die beiden zusammen finden.
Es war wirklich wunderschön, wie über Jahre hinweg die Geschwister wieder zusammenfinden. Was große Verluste aus ihnen gemacht haben und wie sie aus jeder Krise wieder gestärkt hervorkommen, fand ich sehr emotional. Besonders in seinem Bruder Marty findet Jules einen guten Freund, der ihm - auf seine verschrobene Art und Weise - den Rücken stärkt. Als Kinder hatten sie keinen guten Draht zueinander.
Als Marty Jules bittet, sein Trauzeuge zu werden, musste ich sehr über den Schlagabtausch lachen:
>>Trauzeugen? Nimmt man da normalerweise nicht jemanden, den man mag? << >>Ich dachte, ich mache für dich eine Ausnahme. << (Seite 160)
Es gibt einige Dinge in diesem Buch, die zu einer regen Diskussion anregen. Die solltet ihr aber selbst entdecken.
Der Fokus liegt auf Trauer, Verlustängsten, klärenden Gesprächen und dem eigenen Lebensweg, den man finden möchte, und dafür auch mal Hilfe und gute Ratschläge annehmen sollte.
>>Gib einem Mann einen Fisch, und du ernährst ihn einen Tag, bringe ihm bei, wie man Fische fängt, und du ernährst ihn ein ganzes Leben. << (Sprichwort Seite 303-304)
Das komplexe Geschehen gleicht einer Achterbahnfahrt der Gefühle. Meine Besprechung beinhaltet nur einen kleinen Teil davon.
Haltet bitte Taschentücher bereit. Es ist wirklich nicht so, dass Jules auf die Tränendrüsen drückt; aber es gibt Dinge, da geht es einfach nicht anders. Nicht alles war für mich nachvollziehbar, was Jules gesagt und getan hat; oder vielmehr oftmals verschwieg. Besonders die Verantwortung in ethischer Hinsicht - in verschiedenen Bereichen - bietet viel Diskussionsstoff und fördert verschiedene Perspektiven zu Tage.
Liebe Liz, es war wirklich sehr schön, dass du am Ende doch noch Moonriver auf der Gitarre gespielt, und dazu gesungen hast. Das war nicht leicht für dich, da das früher deine Mutter gemacht hat. Ich habe Gänsehaut bekommen!
Eine klare Empfehlung. Danke, Benedict Wells.
Benedict Wells wurde 1984 in München geboren, zog nach dem Abitur nach Berlin und entschied sich gegen ein Studium, um zu schreiben. Seinen Lebensunterhalt bestritt er mit diversen Nebenjobs. Sein vierter Roman, ›Vom Ende der Einsamkeit‹, stand mehr als anderthalb Jahre auf der Bestsellerliste, er wurde u.a. mit dem European Union Prize for Literature (EUPL) 2016 ausgezeichnet. Benedict Wells’ Bücher sind in 40 Sprachen erschienen, sein neuester Roman ›Hard Land‹ wurde 2022 mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis in der Kategorie Preis der Jugendjury ausgezeichnet. Nach Jahren in Barcelona lebt Benedict Wells in Zürich.


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