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Montag, 2. März 2026

Hazel sagt nein von Jessica Berger Gross

Foto @Gisela Simak. Hintergrund kostenloses Bild von Pixabay. 



Unbezahlte Werbung. Coverrechte: Bastei Lübbe Verlag. 

Verlagsinfo: Wenn ein Nein alles infrage stellt - ein kraftvolles Debüt mit Nachhall


In der Hoffnung auf ein ruhigeres Leben ziehen die Blums vom pulsierenden Brooklyn ins beschauliche Riverburg, wo Vater Gus nach herausfordernden Jahren endlich eine Professur ergattert hat. Doch der idyllische Schein trügt. Gleich an ihrem ersten Schultag wird die achtzehnjährige Hazel ins Büro des Direktors zitiert. Er verkündet ihr Unglaubliches: Jedes Jahr sucht er sich eine andere Schülerin aus der Abschlussklasse aus, mit der er eine sexuelle Beziehung eingeht. Dieses Jahr ist sie die Auserwählte. Instinktiv sagt Hazel Nein - und setzt damit eine Kette von Ereignissen in Gang, die das Leben ihrer Familie, aber auch die gesamte Stadtgesellschaft auf den Kopf stellen ...

Mit feinem Humor und Gespür für Zwischentöne erzählt Jessica Berger Gross von Selbstbehauptung, gesellschaftlichen Dynamiken und dem Mut, für sich einzustehen.

Ein Roman, über den man sprechen möchte - und muss.


Am Thema vorbei! Ich sage nein. 


>>Ein Roman, über den man sprechen möchte - und muss. << So steht es in der Beschreibung und war für mich ein guter Grund, das Buch zu lesen. Leider hat sich die Autorin bei diesem Thema ziemlich verzettelt. Die Geschichte hätte sehr viel Potenzial, das nicht genutzt wurde.

Es geht um die Familie Blum, die aus finanziellen Gründen von Brooklyn in das beschauliche Riverburg zieht. Der Vater ergattert dort endlich die heiß ersehnte Professur. Die Mutter ist glücklich darüber, nicht mehr so viele Anreize zu unüberlegten Einkäufen zu haben. In New York verband sie Gassigehen mit dem Hund mit einer Shoppingtour. 

Hazel und ihr Bruder sind von dem Umzug nicht begeistert. Gerade als beide sich langsam aber sicher mit dem Ortswechsel arrangieren, passiert das Unfassbare: Hazel erhält vom Direktor an ihrem ersten Schultag ein unmoralisches Angebot. Jedes Jahr sucht er sich ein Mädchen für gewisse Stunden aus. Dieses Jahr fällt seine Auswahl auf sie. Als Gegenleistung bietet er ihr an, seine Beziehungen für einen guten Collegeplatz spielen zu lassen. 

Für mich gibt es in dieser Geschichte sehr viele Unstimmigkeiten. Ich kann mir nicht vorstellen, dass ein Schuldirektor auf diese plumpe Weise eine Schülerin anmacht und sie dafür extra in sein Büro zitiert. Er kannte doch Hazel nur von Unterhaltungen im Schwimmbad und musste damit rechnen, dass er auffliegt. 

Was das Ganze mit einer Familie macht, fand ich gut beschrieben. Auch die Hilfe, die Hazel bekommen hat, war dem Vorfall durchaus angemessen. Was ich nicht verstand: Warum haben andere Mädchen sich nicht dagegen gewehrt? 

Den Schreibstil fand ich gut leserlich.  Und die Hauptfigur Hazel anfangs gut gezeichnet. Ab dem Zeitpunkt, an dem ihr Vater sie zu einer Autorinnenlesung mitgenommen hatte, driftete die Geschichte in totalen Hollywood-Kitsch ab. Hazel schreibt ihre Geschichte auf und wird damit berühmt und erfolgreich. 

Es gibt wahre Schicksale, die Buchbestseller wurden. Aber mich hat das weder interessiert noch fand ich es passend im Kontext. 

Das Thema finde ich sehr wichtig, da viele Mädchen und Frauen davon betroffen sind. Nur: Die Aufarbeitung in diesem Buch gefällt mir nicht. Geh an die Öffentlichkeit mit deinem Leid und du wirst berühmt. So könnte das bei jungen Mädchen ankommen. 

Hazel sagt nein zum Direktor. Ich sage nein zu diesem Buch. 

Zu diesem Buch gibt es viele begeisterte Rezensionen. Leider konnte es mich nicht überzeugen. 

Danke Jessica Berger Gross. 

© Nina Subin

Jessica Berger Gross stammt ursprünglich aus New York, lebt aber inzwischen mit ihrem Mann und ihrem Sohn im Teenageralter in Maine. In den USA ist sie mit zwei Memoirs bekannt geworden. Die Essays der Vassar-Absolventin sind im NEW YORK TIMES MAGAZINE, THE CUT, LONGREADS und vielen andere Publikationen erschienen. HAZEL SAGT NEIN ist ihr erster Roman.


Jessica schwimmt gern in Seen, Seerosenteichen und im Meer, sucht nach Secondhand-Kleidung und Flohmärkten, wandert und fährt Langlaufski, praktiziert Iyengar-Yoga, sieht entweder sehr gutes oder sehr schlechtes Fernsehen, liest viele Bücher, isst die beste Pizza und trinkt frischen Grapefruitsaft.


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